Schreibberatung: Viel hilft nicht immer viel

In letzter Zeit erreichen mich zunehmend Anrufe von Menschen, die beim biografischen Schreiben noch am Anfang stehen und  eine Schreibberatung suchen. Oft verspüren sie den starken Wunsch, sich mit ihrem gelebten Leben auseinanderzusetzen oder sich mitzuteilen. Doch diesem Wunsch stehen Fragen und Zweifel gegenüber: Wie fange ich an? Mache ich es richtig? Kann ich es? Lohnt es sich?

Die Kleinigkeiten kommen später

Wer mit diesen Fragen an mich herantritt, braucht kein Lektorat. Denn eine allzu gründliche Durchsicht der Schreibanfänge würde nur verunsichern. Wer eine Weltreise plant, studiert nicht zuerst alle Versicherungspolicen – die Kleinigkeiten kommen später. Zunächst geht es um das Ziel und das Gefühl für die Länder und Räume, die besucht werden sollen – und das gilt auch für die Zeitreise zurück ins eigene Leben.

Wer fragt, wie er anfangen soll, dem möchte ich die Arbeit auch nicht aus der Hand nehmen. In vielen Fällen hat es einen guten Sinn, sich zunächst selbstständig durchs Dickicht der Erinnerungen und Wörter zu schlagen. Gerade, wenn das Ziel der Reise noch vage ist und es keinen Zeitdruck gibt. Wenn ich annehmen kann, dass die Kräfte der Ratsuchenden ausreichen, um alleine loszuziehen, ermutige ich sie zum Schreiben. Lohnen tut es sich allemal, davon bin ich überzeugt. Nur ein Zyniker würde etwa davon abraten, zu denken, weil es sich nicht lohne. Oder Freunde zu treffen. Mit dem Schreiben verhält es sich ebenso: Ich weiß von niemandem, der es hinterher bereut hätte, sich einige Stunden Zeit fürs Erinnern und Schreiben genommen zu haben.

Die persönliche Beratung ist durch nichts zu ersetzen

Worum es geht, ist also Schreibbegleitung und Schreibberatung (oder Schreibcoaching). Und es ist gut, dass sich allmählich das Bewusstsein durchsetzt, dass eine persönliche Beratung durch nichts zu ersetzen ist. Ratgeber-Bücher sind dazu da, um einen Überblick zu gewinnen. Doch gerade Schreibratgeber enthalten eine Fülle von Informationen, die oft nur schwer zu gewichten sind, und die den Schreibfluss eher hemmen anstatt ihn zu fördern. Paradoxer Weise gilt das auch für Ratgeber, die sich in Teilen ausdrücklich mit dem Thema „Anfang“ oder „Schreibhemmnisse“ auseinandersetzen. Doch in ihnen steht eben auch noch jede Menge anderes, das geeignet ist, den Ratsuchenden von seinem Ziel abzubringen.

Was eine gute Schreibberatung leistet ist dagegen, genau die Tipps und Einsichten weiterzugeben, die den Schreibenden gerade jetzt weiterbringen, ihn zu ermutigen und konkrete Wege aufzuzeigen. Eine gute Schreibberatung ist nicht eitel und geschwätzig, sondern spricht nur die Themen an, die gerade anstehen. Und eine gute Begleitung ist vor allem wohldosiert, lässt den Schreibenden die Zeit, die er oder sie braucht, und greift nur ein, wenn es gewünscht ist oder der vereinbarte Weg erkennbar verlassen wurde. Ich hoffe, dass ich in meinen Beratungen diesem Anspruch gerecht werden kann.

Im „Schreib-Studio“

Neulich beschloss ich, zum ersten Mal in meinem Leben ein Fitnessstudio aufzusuchen. Zwei standen zur Auswahl. Beim Probetraining von „Studio 1“ wurde mir viele Übungen ausführlich gezeigt, ich wurde angefeuert, richtig viel Kraft in die Übungen zu legen, Muskelbrennen sei normal. Auf meine Frage danach, wie viel Zeit ich pro Woche einplanen solle, antwortete der Profi: Zweimaliges Training sei das absolute Minimum, besser drei- oder viermal, und so weiter. In „Studio 2“ lobte man mich, dass ich gekommen sei, um etwas für meine Fitness zu tun. Der Trainer fragte, wie viel Zeit ich erübrigen könne und zeigte mir nur eine kleine Auswahl von Geräten. Er wies darauf hin, das der Trainingsfortschritt selbstverständlich von den investierten Zeit abhängt, jeder Sport sei jedoch besser als keiner. Welches Studio suchte ich mir wohl aus? Und welches Probetraining war besser für meine Gesundheit?

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